KLINIK SEEFELD

Dr. Karl Häser

Seefeld (31. Dezember 2016) – Selten wurde eine Einrichtung so oft totgesagt und wiederbelebt, wie das Krankenhaus in Seefeld. Aktuell scheint durch die Kooperation mit dem Klinikum Starnberg die Zukunft gesichert. Rückblickend interessant ist eine Geschichte, die sich vor rund 40 Jahren abspielte und fast das Aus bedeutet hätte. An Silvester 2016 wäre der 1995 verstorbene Karl Häser 90 Jahre alt geworden.  

Die Chirurgischen Klinik in Seefeld ist wohl eines der ältesten Krankenhäuser im Landkreis Starnberg. Bereits 1874 am jetzigen Standort eröffnet, kann sie auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Dass jedoch ein Beziehungsdrama fast das Aus der Klinik bedeutet hätte, dürfte den wenigsten Menschen bekannt sein. Die Schlagzeilen lauteten Anfang der 70iger Jahre: „Seefeld in der Zwickmühle“, „SPD will Krankenhaus Seefeld in Altenheim umwandeln“, „Seefeld auf Dauer nicht bestandsfähig“. Es war kein unfähiger Geschäftsführer und auch keine fehlenden Patienten, die für einen Skandal sorgten. Es war eine Geschichte, die tagtäglich vorkommt, jedoch für eine soziale Einrichtung nicht zuträglich ist. „Im konkreten Fall geht es dabei um den von mir lange Zeit auch menschlich hochgeschätzten Vorgänger als Chefarzt“, schreibt Dr. Karl Häser (1926 bis 1995) anno 1994 in seiner Biografie „Es geht auch ohne Ellenbogen“. „Ich war ihm von Anfang an, schon als Famulus, später als Assistent und weit über ein Jahrzehnt als Oberarzt und Stellvertreter, treu ergeben. Bis … ja bis er, unter Ausnutzung meines fast blinden Vertrauens mit meiner damaligen Frau eine Liaison begonnen hat. Ich ließ mich scheiden!“ Die Folge war, dass sich diese Beziehungs-Geschichte wie ein Lauffeuer verbreitete, der Orden Hl. Karl Borromäus seine Schwestern abzog, ein neu gewählter Klinik-Verbandsvorsitzender reinen Tisch machen und den Chef- sowie Oberarzt gemeinsam entlassen wollte. „Weil ihm dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht gelang, blieb eine gewisse Reserviertheit auch mir gegenüber bestehen. Damit musste und konnte ich leben.“ Weit schlimmer jedoch war: „Der bis dato glänzende Ruf des Krankenhauses hatte Schaden genommen.“ Langjährige Patienten seien ferngeblieben, weil sie annahmen, das persönliche Spannungsverhältnis zwischen den leitenden Ärzten schlage sich auch auf die Qualität des ärztlichen Tuns nieder. Es dauerte viele Jahre, bis sich die Wogen glätteten. „Wir waren zum Spielball der Meinungsmacher und Medien geworden“, schreibt Häser. Im Jahr 1976 trat sein Vorgänger zwar widerwillig, doch unter Druck des Zweckverbandes, den Ruhestand an und Häser wurde die kommissarische Klinikleitung übertragen. Ruhe jedoch kehrte nicht ein. Dennoch schaffte es Häser Anfang der 80er Jahre, notwendige Umbaumaßnahmen durchsetzen und auch die Bevölkerung mit einem Tag der offenen Tür wieder mit ins Boot zu holen. „Es war mir leider nur ganze vier Jahre möglich, unter Voraussetzungen, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte, zu arbeiten.“ 1988 ging Dr. Karl Häser in Ruhestand, 1995 starb er. Begraben liegt er der ehemalige Chefarzt der Klinik Seefeld auf dem Friedhof in seiner Heimatgemeinde Weßling. Uli Singer