Kasimir Merzendorfer

Kasimir und Hildegart Merzendorfer

Oberalting (April 2004) – Er ist kein Pfarrer, kein Priester und auch kein Abt. Dennoch hat Kasimir Merzendorfer sein Leben der kirchlichen Arbeit verschrieben. Das 40. Jubiläum als Mesner der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberalting feiert er im September. Allerdings ist „Herr Kasimir“, so wird er meist gerufen, bereits seit 60 Jahren im Kirchendienst.
„I war ja scho Hilfsmesner beim Mesner Wurstner Josef“, erinnert sich der 77jährige gelernte Schneider. Außerdem war er viele Jahre lang Ministrant, Kirchendiener und über zwei Jahrzehnte Hilfsmesner in Andechs. „Buchhalter war ich da“, sagt der gebürtige Oberaltinger und grinst. „Buchhalter von Abt Hugo Lang. I hob eam nämlich immer des Buch g’halten, aus dem er g’lesen hat.“
Höllisch aufpassen muss, wer ihm beim Erzählen zuhört. Der Schalk sitzt Kasimir stets im Nacken und wenn er ein williges Opfer findet, lässt er ihn auch raus. „Net goa a so gschlampert“, ruft er seinen beiden Helferinnen zwischendurch zu. Ehefrau Hildegard und Hermine Brengel, beide Mitglieder im Kirchenchor, sind gerade dabei, die Kirche für die Ostertage zu schmücken. Kasimir hat die Oberaufsicht. Die Damen nehmen ihm seine Randbemerkungen nicht übel. Man kennt ihn und hilft ihm auch gerne, versichert Brengel.
„Gfoids da jetzt a so?“, erkundigt sich Hildegard Merzendorfer. Vor 44 Jahren haben die beiden in Andechs geheiratet. Der 40. Hochzeitstag wurde im Jahr 2000 in der Kirche in Oberalting gefeiert. Nicht ohne stolz zeigt Kasimir das Foto, das ihn und seine Ehefrau am Jubeltag zusammen mit dem heutigen Abt Johannes zeigt. Damals sei der Abt noch Pater und Kaplan in Oberalting gewesen.
Zeit für Hobbys bleiben Kasimir Merzendorfer nicht. Er engagiert sich nicht nur in der Kirche, sondern zelebriert auch zu Hause, was für ihn Glauben bedeutet. Bis zu drei Mal am Tag nimmt er das Gebetbuch zur Hand und betet. „Des is gsund fürs Seelenheil“, weiß Kasimir. Wenn er betet, darf er nicht gestört werden. Auch nicht von Ehefrau Hildegard. „Er brauchat ja bloß no a Bett in der Kirch’, dann tät ich ihn überhaupt nicht mehr sehen“, sagt sie. Längere Urlaubsreisen sind sowieso gestrichen. Da könnt’ ja eine Feier in der Kirche sein, die auf keinen Fall versäumt werden darf. Richtig schief gegangen sei ihm während der ganzen Jahre nichts, versichert Kasimir. Ganz im Gegenteil. Als der damalige Pfarrer Hans Waller einmal in Urlaub weilte und die zugesagte Vertretung aus St. Ottilien ausblieb, habe er sich kurzerhand selbst auf die Kanzel gestellt und zusammen mit dem Organisten einen Wortgottesdienst gehalten. „Schön wars und de Leid hods gfoin“, erinnert er sich. Am Ostersonntag hofft er auf ein volles Haus. Dann nämlich singt Ehefrau Hildegard im Kirchenchor.