Franz Halmanseger

Oberalting – München ohne Oktoberfest, undenkbar. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die altertümliche Krinoline gibt es zwar noch immer, doch moderne Fahrgeschäfte - höher, steiler und auch gefährlicher – beherrschen heute das Bild. Wer die Wiesn jedoch von früher her kennt, erinnert sich gerne des Hippodroms, wo der gemütliche Umritt mit dem Pferd etwa fünf Minuten dauerte und gerade einmal 50 Pfennige kostete. In diesem Zusammenhang nicht wegzudenken ist Franz Halmanseger aus Oberalting, der viele Jahrzehnte lang als Herrenreiter im Hippodrom die Reitpeitsche schwang. „Das kleine Podium im Vorraum des mit Spiegeln ausgelegten Hippodroms war seine Bühne“, schreibt Gustl Empfenzender in seiner Ammersee-Chronik. „Und wenn dann die Musik einsetzte, begann vor dem Publikum die elegante Pantomimik des Herrenreiters.“ Eine Gastronomie gab es seinerzeit im Hippodrom nicht. Der Eintritt war frei. Tausenden von Wiesnbesuchern wurde so ein kostenloses Vergnügen beschert. Angefangen hat Halmansegers „Oktoberfest“-Laufbahn beim Entfesslungskünstler Houdini, dessen Assistent er wurde. Eigentlich war er ja Lademeister bei der Bahn. Doch sobald das Oktoberfest nahte, reichte er seinen Urlaubsantrag ein. Die Beziehung zu Houdine stellte seine Schwester her, die wiederum mit dem Theaterdirektor August Schichtl verheiratet war. Irgendwann versuchte sich Halmanseger selbst mit einer Schaustellerbude auf der Auer Dult. Auf der Dult wiederum hat ihn dann der Hippodrombesitzer Carl Gabriel entdeckt und ihn vom Fleck weg engagiert. 43 Jahre lang wurde der Oberaltinger Gentleman mit Zylinder, Monokel und weißer Chrysantheme im Knopfloch zum wichtigsten Requisit des Unternehmens. Pantomimisch verkörperte der Bahnarbeiter zwei Wochen lang die Welt der Aristokraten. Nur sechs Tage nach seiner letzten Wiesn starb er im Oktober 1962. 77 Jahre ist Halmanseger geworden. In einem stillen Winkel des Oberaltinger Friedhofs wurde der elegante Herrenreiter begraben.