Die Nazis

Seefeld (Juli 2004) – Anlässlich 1200 Jahre Oberalting lud Ulrich Dittmann zu einem historischen Vortrag ein. Er führte die Besucher wohl in die dunkelste Ecke der deutschen Geschichte. „Wie die Nazis aufs Dorf kamen“, lautete der Titel, der immerhin rund 60 Gäste ins Seefelder Sudhaus lockte. Dittmann, Historiker, Literaturwissenschaftler und Vorsitzender der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft widmete einen großen Teil seines Streifzuges durch "12 braune Jahre" dem Schriftsteller aus Berg. Ausdrucksvoll rezitierte Florian Münzer, Schauspieler aus Dießen, unter anderem aus Grafs „Heil Hitler“ und berichtete von einer Stammtischgeschichte, die sich irgendwo in Bayern unter der Nazi-Herrschaft abgespielt habe. In Oberalting sei es trotz eines „Hitlerbrunnens“ weit weniger fanatisch zugegangen als beispielsweise in Herrsching oder in Weßling, stellte Dittmann fest. Gleichwohl er auch keine stichhaltigen Gründe für die offensichtliche Zurückhaltung gefunden habe. Präsentierte Oberalting zwar bei der Wahl 1930 die landkreisweit meisten Stimmen zugunsten der NSDAP, war im Gegenzug fast niemand bereit, der Partei beizutreten. So musste für die Besetzung der Posten Gauleiter und Bürgermeister zum Leidwesen des Starnberger Gauleiters Franz Buchner liniengetreue Anhänger von auswärts geholt werden. Kein gutes Haar ließ Buchner, der 1933 Bürgermeister von Starnberg wurde, an den Bewohnern von Oberalting, bei denen es sich seiner Meinung nach um „verfluchte Spießer“ gehandelt habe. Aussichtslos sei es zudem, den „reichen, störrischen und schwarzen Bauern“ nationalsozialistische Gesinnung beizubringen. „Aus dieser Büffel- und Hammelherde lässt sich kein Heer machen", war Buchner Fazit. Unterstützer des braunen Gedankenguts sei damals die „Andechser Rundschau“ gewesen, die keine Gelegenheit ausließ, „feige Judenfreunde“ an den Pranger zu stellen, so Dittmann. In der anschließenden Diskussion tauchte die Frage nach der Rolle der Seefelder Grafen während der Nazi-Zeit auf. Hier musste Dittmann passen: „Wie sie die Zeit im einzelnen überstanden haben, ist nicht überliefert. Die Nazis zeigten offensichtlich eine gewisse Scheu vor den Grundherren.“